Hong Kong Travelogue – Prelude

von Claudio Bucher Claudio Bucher, *1980, macht hauptberuflich volkstümliche Musik ohne Volkstum (frei nach Jörg Scheller), klatscht eher laut und studiert im Master Kulturpublizistik. gepostet am 24. November 2014
  • Foto: Mandy Yeung

Wären die neonerleuchteten Wolkenkratzer gefrorene Musik, dann Ravels Ondine aus Gaspard de la Nuit, polyrhythmisch verwobene Arpeggios, anorgisches, chromatisches Knacken in 30-Millisekunden-Abständen. Erstarrte Glissandos auf schwarzen Tasten.

Erstarrte Musik in einer entzauberten Welt. Ravels Ondine ist eine Meerjungfrau, ein Zwischenwesen, halb Meer, halb Land. Ravels Vertonung ein Stück aus Zauber, Eleganz und Abscheu, basierend auf einem jahrtausendealten Mythos von Seenixen, die Geliebte ertränken, von Verführung, Loreley und in Meeresschaum Sterbenden.

Im Oktober 1993 versammelten sich 2’000 Hong-Kong-Chinesen am Ufer von Aberdeen auf Hong Kong Island, nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, dass ein Fischer eine Meerjungfrau an Bord seines Boots gezogen hatte. Die Polizei musste für Ordnung sorgen, es war bereits die dritte Meerjungfrau-Sichtung in diesem Oktober.

 

Quellen zum Text:

Der Travelogue von Claudio Bucher entstand in einem Studienprojekt von Michael Schindhelm, das von Connecting Spaces, dem in Hong Kong verorteten Internationalisierungsprojekt der ZHdK, koordiniert wurde. In der Printpublikation Why Hong Kong (Erscheinungstermin Januar 2015) sind neben dem Travelogue auch grössere Beiträge von Brandon Farnsworth (Master Transdisziplarität) und Patrick Kull (Master Fine Arts) versammelt.

http://www.connectingspaces.ch/why-hong-kong/